11. Seetag – 07.12.2012

Liebe Peterfans,

Wir haben den Passat zu fassen und lassen nicht mehr los! Der Spinaker
wird mit doppeltem Fäll und Schot gefahren, der Reservefall ist aus dem
Weg geräumt und wir haben fest vor den Spi vor Ankunft in Rodney Bay
nicht runter zu holen. Wir segeln mit ein wunderbarer nordöstlicher
Wind, der zwischen 15 bis 18 Knoten auf die Uhr weht, und erreichen
weiterhin unsere 8 Knoten Durchschnitt und wir hoffen in maximal vierzig
Minuten die 800 Meile Marke zu knacken. Dann hätten wir in 12 Stunden
100 Meilen geschafft. The race goes on…

Unsere Reise ist wie in zwei geteilt. Bis zum Gewitter (also ein Tag
nach dem Bergfest): starker Wind, Regen, nass mit Genoa und Kluiver und
jetzt. Nach der auf das Gewitter folgende Flaute: Passat, Sonne, trocken
mit Spi und Besanstag. Beide Teile zwar Barfussrouten, aber mit ganz
unterschiedlichen Bewegredenen die Schuhe abzuwerfen. Was beiden
Reiseabschnitte gemeinsam haben: Die Reisegeschwindigkeit.

Heute sind, nach der wieder ausgezeichnete Mittagsküche von Ösi Jürgen,
alle in den Mittagsschlaf verschwunden (bis auf Halbblondine natürlich).
Der Salon war voller Crewmitglieder die in verschiedenen Ecken zu tiefst
geschlafen haben. Auch wurde der beste Platz im Schiff heute zum ersten
Mal ausprobiert: ganz vorne im Bug, in der Genoa liegend und der
Bugwelle horchend. Es herrschte absolute Ruhe, als wären wir nicht
inmitten der Atlantik aber in ein Landhaus in Spanien oder Italien
während der Siestazeit.

Das Gefühl der Karribik wird auch immer stärker und manch einer starrt
mit glänzenden Augen auf den Horizont in der Hoffnung eine erste Palme
zu erblicken. Es werden Ausgeh- und Abendessenpläne geschmiedet, die
Kneipentour ist bereits fest in der Karte eingezeichnet. Wir versuchen
uns aber immer wieder zurück zu nehmen und den Tag nicht vor den Abend
zu loben, denn es kann alles noch ganz anders kommen.

Mit dem Ende in greifbarer Nähe, entsteht aber auch eine gewisse
Traurigkeit. Dieses Passatsegeln in der Sonne inmitten der Atlantik ist
ein wundervolles Lebensgefühl und könnte noch gerne Wochen andauern
(bisher hatten wir nur ein Tag davon). Wenn die Augen nur die See
auftrinken könnten, dann blieben die Sinnesbilder dieses Erlebnisses
sicherlich auf immer ganz vorne in unsere Erinnerungen. Jetzt sieht es
aber danach aus, dass es nicht mehr fünf Tage dauern wird und die Frage
kommt auf wann man es wieder erleben wird, dieses einzigartiges Gefühl.
Aber der Wehmut soll jetzt ein Ende sein und Genuss ist angesagt.

Pünktlich zur Kaffeepause lebt das Schiff wieder auf. Da dies auch ein
Moment ist Vorschläge für Verbesserungen anzutragen sowie alles was man
auf dem Herzen trägt los zu werden, hat sich Halbblondine endlich
getraut sich über ihr Kojegenossen zu beschweren: 1/ er stinkt; 2/ er
ist fett wie eine Sau; 3/ er grüßt nicht; 4/ er drängelt sich andauernd
auf und 5/ er verteilt überall seine Reste. Selbst auf diese sehr
einleuchende Argumente, kennt der Skipper aber kein erbarmen: Es bleibt
alles wie es ist. Aufgeschreckt fragt Zentrallschiff Manfred seinen
Nachbar wer die Halbblondine denn meinen würde? (Zentralschiff Manfred
wohnt nämlich in der letzten Koje bevor es zum Vorpiek geht). Na, den
Schinken natürlich antworten Alle!

Heute war ein guter Fischtag mit insgesamt drei Opfer. Darunter zum
ersten Mal Abwechselung: außer zwei Doraden (nicht im Paar geangelt!
Halbblondine sprecht daher auch nicht mehr mit den Fischer (mit dem
Schinken schon länger nicht)) ist eine Königsmakrel aus dem Wasser
gekommen. Diese werden nun vom heute ernannten und vom Zentralschiff
Manfred vorgetragenen Hof und Meisterschiffskoch Jürgen bereitet (der
Spitzname Ösi Jürgen ist hiermit ersetzt). Die Mannschaft hat Hof und
Meisterschiffskoch Jürgen heute bei der Kaffeerunde angeboten alle seine
Wäsche zu waschen, täglich seine Koje zu lüften, jeglichen Abwasch- und
Vorbereitungsarbeiten zu übernehmen sowie ihn stündlich zu massieren,
wenn er nur weiter kocht. Leider ist er nicht auf dieses Angebot
eingegangen. Anscheinend erlebt er die Backschaft ähnlich wie wir Alle,
obwohl er so ausgezeichnet kocht. So, freuen wir uns nun sehr auf das
letzte Mal!

Ja!! Es sind nur noch 799 Meilen bis St Lucia! St Lucia wir kommen!

Alles Liebe an Euch, Euer Peter-Crew,
Geschrieben von Hanneke